Als zu den Feiertagen noch die Post abging

Postkutsche4

Mal ehrlich liebe Leser, wie viel Postkarten haben Sie vor Weihnachten an Ihre Lieben versandt?
Ich rüttle nur kurz an Ihrem schlechtem Gewissen, obwohl, drüber nachdenken könnte man ja mal.  Denn wenn man selbst nicht schreibt, kann man von anderen ja auch nichts erwarten und der Briefkasten bleibt leer. Zumindest betrifft das die Sachen, die einen wirklich interessieren!
Sicher erinnern Sie sich noch an unseren Aufruf vom vergangenen Jahr als wir Sie baten, uns bei unserem neuen Buchprojekt „ Rötha auf Postkarten“ zu unterstützen. Viele haben ihre Schätze zu Marlies Walther in die Bibliothek gebracht. Die Karten wurden eingescannt und bereits zurück gegeben.
Was das für ein Buch werden kann wurde mir unlängst klar als ich in einer Zeitschrift las, wie die Sache mit der Ansichtskartenschreiberei überhaupt begann.
Die ersten Postkarten kamen um 1870 auf. Auch wir erinnern uns an die schmucklose Pappkarte, die noch in unserer Kindheit und Jugend Mode war. Die grüne Briefmarke mit Walther Ulbricht war bereits aufgedruckt.
Aber nun – 1870 stürmte die Berliner Bevölkerung sämtliche Postämter, um bei der Einführung dieser bahnbrechenden Entwicklung dabei zu sein. 45 000 Postkarten wurden an einem Tag gekauft, mit Mitteilungen versehen und versendet.
Telefone gab es noch keine und so machten wichtige private Ereignisse eben auf diesem Wege die ersten Runden.

Erst 20 Jahre später wurden die Karten „verschönert“. Erste Stadtansichten gingen in Druck und bald schon hatte fast jede Ortschaft in Deutschland „ihre“ Karte. Die Ansichtskarte war geboren. Sie war zu ihrer Zeit das Kommunikationsmittel, welches sich wirklich jeder leisten konnte.
Und nun gings richtig los: Unfallberichterstattung, laszive Frauen, kuriose Szenen, die Postkarte wurde mit allem bedruckt, was heut zu Tage Boulevard – Blätter anzubieten haben.
Der Handel bot Postkartenalben an, in welchen Otto-Normalverbraucher seine kleinen Träume von großen fernen Städten und Stätten beherbergen konnte.
Bald gab es Karten mit wilden Tieren und schönen Frauen, Porträts von Generälen, Karten mit Rosenduft und auch solche, die man drehen konnte, bis ein anderes Bild erschien.
So gut sich auch ein Motiv verkaufte, keines blieb lange auf dem Markt. Binnen weniger Tage mussten Fotografen und Grafiker neue Ideen entwickeln und umsetzen, um die werte Kundschaft zufrieden zu stellen. Nun bekam man Männer mit Löwenköpfen, Hunde in Männerkostümen, Damen mit Katzen auf den Schultern zu sehen – Geschmackssache eben…

Historisch betrachtet begann in dieser Zeit eigentlich die Bildbearbeitung. Heute ist es ein Klick am Computer und ein Foto ist verändert.  Man könnte bereits von Science Fiction sprechen, denn Kartoffeln von der Größe eines ausgewachsenen Ebers und kleine Kinder, welche aus der Krawatte des Vaters wuchsen… die Menschen waren einesteils erschüttert, verloren sie doch den Glauben an die Wahrheit der Fotografie, andererseits überwog dann aber der Spaß, das neueste grässlich schöne Unglaubhafte in seinen Besitz und somit ins Album gebracht zu haben.
Als 1877 in Berlin das erste Telefon seinen Dienst aufnahm, tat es der Postkarte vorerst keinen Abbruch, denn ehe die finsterste Provinz einen Anschluss bekam, der dann auch funktionierte….aber das ist wieder ein anderes Thema!
Noch ist kein Redaktionsschluss bei der Aufnahme Ihrer Ansichtskarte für unser Buch. Gerade jetzt, bei diesem Wetter, lohnt es sich doch mal alle Kartons und Schübe auszuräumen und nachzusehen, ob sich nicht doch noch eine Karte findet, die ins Buch integriert werden kann. Wer weiß, was Sie, liebe Leser nebenbei noch für Entdeckungen machen, die nur für Sie wichtig sind.

Apropos Entdeckung: im Amtsblatt Dezember, als wir uns bei allen bedankten die uns im vergangenem Jahr unterstützten, fehlte die Tischlerei Dirk Lohmann! Gerade diese Firma, welche uns viel Zeit und Material zum Fest der 1000 Kerzen zur Verfügung stellte!
Ein großes Dankeschön nachträglich hier an separater Stelle! Auch möchte ich Sie am Schluss schnell noch über unsere Veranstaltungen 2016 informieren. Damit Sie sich für uns und unsere anderen Projekte Zeit nehmen können:

Am 26. März findet der erste Parkeinsatz statt.
Am 23. April reist Rudolf Schröder an! Ein Unikat unter den Dendrologen. Wer den Wald vor Bäumen noch nicht gesehen hat, der lernt ihn kennen. Dazu in der nächsten Ausgabe mehr. Aber: jetzt schon unbedingt notieren!
Am 05. Mai kommen die Radler und Wanderer aus der Umgegend zum Pilgertreffen.
Am 06. Juni gehen wir mit GHM und DEG Mölbis auf Radtour.
Am 17. Juli wandern wir mit Ihnen am Stöhnaer Becken.
Am 09. September laden wir zum 2. Röthaer Apfeltag ein.
Am 10.September feiern wir das Fest der 1000 Kerzen im Schlosspark.
Am 11. September begehen wir den Tag des offenen Denkmals.
Ab 14.Oktober führen wir das 2. Parkseminar durch.
Am 19. November schließt sich unsere jährliche Baumpflanzaktion an.

 Zu all unseren Veranstaltungen laden wir natürlich kurz vorher nochmals herzlich ein.

Eine gute Zeit wünscht im Namen des Fördervereins Rötha – Gestern. Heute. Morgen.
Ina Kunze