Der Schlosspark Rötha – Zeugnis einer jahrhundertelangen Gartenkultur

ein Beitrag von Kathrin Franz

Rötha geometrischer Plan um 1730

Rötha geometrischer Plan um 1730

In der vom Tagebau stark in Mitleidenschaft gezogenen Region südlich von Leipzig ist der Schlosspark in Rötha eine zwar kleine, aber sehr interessante und wertvolle Kulturlandschaftsinsel. Obwohl er seit vielen Jahren schon nicht mehr die intensive Pflege und Beachtung erfährt, die ihm unter der Familie von Friesen zu teil wurden, ist dennoch die ehemalige Grundstruktur bis heute ablesbar geblieben. Viele Parkgehölze datieren aus dem 19. Jahrhundert und sind sowohl von kulturhistorischem als auch naturschutzfachlichem Interesse.

Schloss, Gut und Garten waren einst vollständig von Wasser umgeben. Die Kleine Pleiße grenzte den Garten und einen Teil der Wirtschaftsgebäude von der Umgebung ab. Das Schloss und die nördlichen Gutshofgebäude schloss zusätzlich ein alter Wallgraben ein.

Die erste größere Gartenanlage entstand wahrscheinlich unter Karl Freiherr von Friesen (1619-1686). Er ließ nach dem Dreißigjährigen Krieg das Schloss neu errichten und wohl um 1670 einen Garten anlegen. Über den Zustand des Schlossgartens in den 1720er Jahren informieren mehrere Pläne, die im Auftrag von Christian August d.J. Freiherr zu Friesen (1665-1737) entstanden sind. (siehe Abb. Mitte). Sie zeigen einen ausgedehnten Lustgarten nördlich des Schlosses, der in einem aufwändigen halbrunden Orangeriegebäude einen wirkungsvollen räumlichen Abschluss fand. Reich geschmückte Parterres, Skulpturen und drei Wasserbecken charakterisierten die Anlage. Ein ausgedehnter Baum- und ein Küchengarten schlossen sich östlich an den Lustgarten an.

Vermutlich um 1750 kam es zu einer Umgestaltung und bedeutenden Erweiterung des Gartens. Hugo Koch gibt in seinem 1910 erschienenen Buch „Sächsische Gartenkunst“ eine diesbezügliche Planung wieder. (siehe Abb.) Die neue, sich nördlich anschließende Gartenfläche besaß die Gestalt eines Dreiecks, in dessen südöstlicher Ecke ein längliches Wasserbecken platziert wurde. Bemerkenswert sind besonders die zahlreichen Spielelemente, die den Garten bereichern sollten. In welchem Umfang dieser Plan Umsetzung fand, müssen zukünftige Analysen noch zeigen.

Auch über die weitere Entwicklung des Gartens liegen bisher nur wenige Erkenntnisse vor. Unter Friedrich Freiherr von Friesen (1796-1871) kam es um 1839 zu einer landschaftlichen Umgestaltung. Etwa zehn Jahre später soll der Park nochmals erweitert worden sein. Aus dem streng geometrischen großen Wasserbecken entstand der heute noch vorhandene natürlich anmutende Teich.

Große Verdienste um den Gartenbau erwarb sich Friedrich Otto Heinrich Freiherr von Friesen (1831-1910). Er entwickelte ab den 1870er Jahren Rötha zu einem Zentrum des Obstanbaus und der Fruchtverwertung. Auch das Baumschulwesen erfuhr unter ihm einen großen Aufschwung.

Nach der Enteignung der Familie von Friesen im Jahr 1945 ging Röthas Bedeutung als gärtnerisches Zentrum im Südraum von Leipzig immer weiter zurück. Mit dem Abriss des Schlosses im Jahr 1969 sowie den baulichen Veränderungen im Bereich des Gutshofes verlor der Schlosspark seine räumlichen Bezüge. Der Tagebau verursachte gravierende Schädigungen in der einst reizvollen Auelandschaft und am Gehölzbestand. Glücklicherweise blieb die Fläche des Parks bewahrt und ist als besterhaltener Bestandteil des ehemaligen Bau- und Gartenensembles ein wichtiges Geschichtszeugnis. Seine umfangreiche historische Substanz gilt es, denkmalgerecht zu sanieren, nachhaltig zu pflegen und einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

Literatur:
Hugo Koch, Sächsische Gartenkunst, Berlin 1910, S. 68; 75; 213-215.
Pro Leipzig (Hrsg.): Im Pleisse- und Göselland, S. 210-222.
Moritz Hugo Mathe: Die Parochie Rötha, in: Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Borna, Leipzig o. D. (1906), S. 1024-1054.